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Tafel II
Der Schreibtisch, an dem die Notizen entstehen. Espresso, Wiesenblumen, Telefon mit ausgeschaltetem Klingelton.
2026-04-19Werkstatt-NotizSüddeutschland · NRW
Konrad, siebenundsechzig, sollte gegen Jahresende zweihundertfünfzigtausend
Euro auf eine eigentlich schuldenfreie Immobilie im Wert von eins Komma
fünf Millionen aufnehmen. Die Hausbank verlangte vier Wochen, ein
Bewertungsverfahren und ein Gespräch mit zwei Generationen seiner
Familie. Wir lösten es in elf Tagen über eine Liechtensteiner Struktur,
die seine Tochter — nicht er selbst — als spätere Begünstigte
adressiert. Die Hausbank hat hinterher angerufen und gefragt, wie das
möglich war. Ich habe zurückgerufen.
— M. F.
2026-04-12Steuer-NotizDE / CH
Ein häufiger Trugschluss, der teuer wird: Eine Beteiligung von dreißig
Prozent an einer Schweizer AG sei erbschaftsteuerlich begünstigtes
Betriebsvermögen. Sie ist es nicht. § 13b Abs. 1 Nr. 3 ErbStG verlangt
Sitz oder Geschäftsleitung in EU oder EWR. Die Schweiz gehört zu keinem
von beiden. Im plötzlichen Erbfall fällt Erbschaftsteuer wie ein Brett
auf den Tisch. Lösbar zum Beispiel durch eine gewerblich geprägte
GmbH & Co. KG, in welche die Beteiligung eingelegt
wird; auf dieser Ebene ist die EU-Zugehörigkeit nicht mehr erforderlich.
Wer das nach dem Erbfall lernt, lernt es zu spät.
— M. F.
2026-04-05Markt-BeobachtungDACH
Vier Anschreiben in einer Woche, alle an denselben Inhaber eines
profitablen Wartungsbetriebs in Nordrhein-Westfalen. Drei davon aus dem
INSEAD-Verzeichnis, eines von einer Search-Fund-Equity in London. Was
sie gemeinsam haben: keines erwähnt die Belegschaft. Keines fragt nach
der Halle, in welcher der Inhaber seit 1989 jeden Werktag um halb sieben
steht. Keines benutzt seinen Vornamen. Wer Lebenswerke jagt wie
Aktienpakete, wird Lebenswerke verlieren wie Aktienpakete. Das ist die
Lücke, die wir bedienen.
— M. F.
2026-03-28Lese-NotizFAZ · Welt · CNBC
Zwei Artikel in einer Woche, die zusammengelesen werden sollten: « Erben
statt erarbeiten — die riskanten Tendenzen am Standort Deutschland » in
der Welt, und « Wealthy inheritors plan to fire their parents' wealth
advisors » bei CNBC. Die Kernaussage ist auf beiden Seiten des Atlantiks
identisch: die Generation, die übernimmt, hat weder das Verhältnis zur
Arbeit noch zum Berater ihrer Eltern. Die Konsequenz für den Patriarchen,
der sich heute Gedanken macht, ist klar: bauen Sie zu Lebzeiten eine
Beziehung auf, die Ihre Erben mit Ihnen, nicht ohne Sie, fortsetzen
wollen. Ein Anbieterwechsel der nächsten Generation ist nicht ein
Risiko — er ist eine Statistik.
— M. F.
2026-03-19Hafen-NotizVaduz · Singapur
Der lange Weg ist oft der ruhigere.
Ein Mandant, dreiundsiebzig, fragte mich, ob es heute noch sinnvoll sei,
« in den Süden zu ziehen », nachdem die Immobilien in Mallorca und in
Portugal über die letzten zehn Jahre die bekannte Reise hinter sich
haben. Meine Antwort: nicht ziehen — Schlüssel halten. Eine geteilte
Verfügbarkeit über drei oder vier ruhige Häuser in unterschiedlichen
Klimata und Rechtsordnungen ist heute günstiger als ein einziger
Zweitwohnsitz, und sie ist im Ernstfall schneller. Konzierge und
Verfügbarkeit sind das neue Eigentum. Liechtenstein im Frühling,
Singapur im Herbst, Bali im November — und in Zürich, wenn die Enkel
kommen.
— M. F.
2026-03-08Werkstatt-NotizFL
Ein Patriarch, einundsiebzig, wollte begreifen, was eine
Multi-Signature-Wallet eigentlich ist. Wir setzten uns für drei Stunden
an seinen Esstisch in Bregenz. Am Ende verstand er, dass es im Kern
nichts anderes ist als das Vier-Augen-Prinzip, das er seit dreißig
Jahren auf seinen Banküberweisungen führt — nur ohne die Bank. Die
Fragen, die er dann stellte, waren gut: Was passiert, wenn ich morgen
nicht mehr aufwache? Wer hat dann den zweiten Schlüssel? Ich antwortete
so genau, wie er es verdient hatte. Wir bauten am selben Abend einen
Wiederherstellungs-Pfad, der seine Schwiegertochter, seinen Notar und
mich umfasste. Drei Schlüssel, zwei Unterschriften. Er schlief die Nacht
besser.
— M. F.
2026-02-22Steuer-NotizFL · DE
Die Inter-IKEA-Foundation in Liechtenstein hält auf ihrer Seite einen
Satz fest, den jede unternehmensverbundene Stiftung wörtlich übernehmen
sollte: « If any family member becomes employed in any of the
businesses owned by Inter IKEA Foundation, they would only be eligible
for a salary under the same terms as any other co-worker. » Wer
Familie und Unternehmen sauber trennt, schützt beide. Die häufigste
Beratungslüge im deutschsprachigen Raum lautet, dass eine Stiftung den
Patriarchen aus dem Spiel nimmt. Tut sie nicht. Sie ordnet das Spiel.
Würth ist mit neunundachtzig der lebende Beweis.
— M. F.
Aufmerksam, aber nicht nervös.
Eine neue Notiz erscheint im Mittel alle zehn Tage.
Sie können den Eingang per Brief abonnieren — siehe Sprechstunde.